Alle Artikel in Denkste?!

Überraschungen, Mythen, Nützliches & Unnützes zum Thema Ernährung.

Fischers Fritz fängt – ähhh sucht frischen Fisch

In der Online Ausgabe der FAZ gab es einen lesenswerten Artikel zum Thema Überfischung in der Rubrik Schneller Schlau mit dem Titel „Krieg der Meere“. Hier klicken zum nachlesen.

Immer mehr Fisch wird mit modernen und größeren Flotten gefischt, aber in den Meeren kann nicht beliebig viel Fisch, beliebig schnell nachwachsen. Und selbst wenn die EU- Fischerei versucht sich an nachhaltigen Fangquoten zu orientieren, tun das nicht längst alle Fischereinationen. Immer mehr Bestände sind überfischt. Derzeit sind ca. 34% der Bestände überfischt (Zahl aus 2017) im Gegensatz zu 1974 waren es nur 10%.

Globale Fischerei – globale Auswirkungen – globale Lösung?!

Afrikanische Fischer können nicht mit den modernen Fabriktrawlerrn mithalten und haben leere Netze, verlieren ihre Arbeits- und Nahrungsgrundlage und machen sich veramt auf in Richtung Europa …. . Wieder zeigt sich ein globales Problem kann nur global gelöst werden.
Wurden 1950 noch 17,3 Millionen Tonnen Fisch weltweit gefangen, so waren es im Jahr 2018 bereits 85,4 Mio. Tonnen. Die Weltbevölkerung ist in der Zeit um das 3 fache gewachsen, die Fischfangmenge um das fast 5 Fache!

Was kann ich tun?

Es gibt Siegel für nachhaltigen Fischfang & Fischzucht, die beim Einkauf helfen können.

  • Marine Stewardship Council (MSC) das bekannteste Siegel
  • Aquaculture Stewardship Council (ASC),
  • Biosiegel (Naturland, Bioland und EU-Biosiegel) haben strengere Richtlinien für Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und sozialen Standards für die Beschäftigten

Auch der WWF-Fisch-Einkaufsratgeber kann Orientierung geben.

Ist Fisch aus Aquakultur – die Lösung?

Jaein würde ich sagen. Wie immer kommt es auf die Details an. Um welche Methode handelt es sich bei der Aquakultur, welche Fischart (Räuber / Pflanzenfresser) und vor allem mit welcher Besatzdichte (wieviel Fische pro m3 Wasser) werden die Tiere gezüchtet.

Der Fisch
Raubfische wie Lachs, der deutschen zweit liebster Speisefisch, ist ein Raubfisch- sprich ein Fischfresser, der in Aquakultur mit Fischmehl und Fischöl gefüttert wird. Für billiges Fischmehl wird im Meer wiederum intensiv gefischt, sprich alles mitgenommen was Proteine hergibt. Nicht so optimal. Bio-Lachs bekommt Fischmehl, welches aus Fischabfällen bei der Fischverarbeitung ensteht, also nicht die Bestände im Meer dezimiert.

Die Methode der Aquakultur
Die Besatzdichte und die Größe der Anlage sind hier entscheidend für das Ökosystem in dem sie eingebettet sind. So sind die riesigen Fischbecken der Lachsfarmen im Meer aufgrund der Besatzdichte und des notwendigen Medikamenteneinsatzes oft eine Belastung für das Meer. Intensive Massentierhaltung wird ab einer bestimmten Größe zu einem Problem. Egal ob im Schweinestall oder im Wasser.

Eine schonendere Variante ist die Kreislaufaquakultur. Das Abwasser der Fischzucht wird für den Gemüseanbau aufbereitet und wiederverwendet. Die Pflanzen ziehen die Nährstoffe aus dem Wasser und es wird schließlich wieder sauber der Fischzucht zugeführt. Die Sendung mit der Maus hat einen tollen Film dazu gedreht. Link am Ende.
Letzte Woche (KW12) hat Aldi Süd Welsfilet aus deutscher Aquakultur als Aktionsware verkauft.
Ein Schritt in die richtige Richtung und es liegt nicht nur an den profitorientierten Konzernen, sondern auch an uns Verbrauchern. Wir stimmen mit unserer Kaufentscheidung darüber ab, was im Regal bleibt bzw. vermehrt angeboten wird.

Weiterführende Links

Sendung mit der Maus. Super erklärender Film zum Thema Kreislaufwirtschaft & Aquakultur
Einkaufsberater zum Thema Fisch von WWF als App oder Printversion
Kurzer Überblick zu den Varianten der Aquakultur bei Greenpeace
Krieg der Meere, FAZ.NET

Alles Bio?!

Nicht alles, aber immer mehr. So lässt sich das Ergebnis des Öko-Barometers 2020 zusammen fassen.

Frau Glöckner (Ministerin für Landwirtschaft & Ernährung) hat am 15.01.20 die Ergebnisse des Öko-Barometers 2020 im Rahmen einer Pressekonferenz veröffentlicht. Nicht wie sonst auf der Grünen Woche, die pandemiebedingt Digital stattfindet.

Mehr Bio durch Corona!?

Seit 2016 wird das Kauf- und Konsumverhalten der Verbraucher hinsichtlich ökologisch produzierter Lebensmittel angefragt. Der Trend zu mehr Bio setzt sich auch 2020 fort. Er steigt sogar stärker als in den Vorjahren, was teilweise mit dem durch homeoffice, homeschooling und shutdwonbedingten Restaurant & Imbissschließungen und dem daraus resultierenden vermehrten homecooking zusammenhängt. Menschen haben mehr oder anders Zeit. Kochen mehr selbst und machen sich auch mehr Gedanken um ihr Essen.
Dies legt der Schwerpunkt der Jährlichen Befragung nahe, bei dem es diesmal, wie sollte es anders sein, um Corona ging.

Alles Bio? Noch lange nicht, die Zahlen sind erfreulich und steigen seit Jahren deutlich. Der Umsatz von Biolebensmitteln stieg 2020 deutlich auf über 14 Mrd. Euro und somit um 17% zum Jahr 2019! Dennoch liegt der Marktanteil von Biolebensmitteln am gesamten Lebensmittelumsatz bei 5% im Jahr 2018 (neuere Zahlen habe ich bisher nicht gefunden). Hier zeigt sich der Unterschied zwischen hoher medialer Aufmerksamtkeit des Themas Bio und der Kaufentscheidung des Einzelnen im Alttag.
Für mich geht es hier nicht um Dogmatik, es ist wie beim Essen, eine gute Mischung macht’s und da gehört Bio sicher dazu.

Links zum Thema

Pommes-Berge durch Corona

Die Corona Krise lässt den Pommeskonsum einbrechen. Gut für die Gesundheit – schlecht für die Bauern?!

Die Arte Dokumentation zeigt wie die Corona-Krise zur Kartoffel-Krise wird.

„Die Corona-Pandemie bringt auch die Pommes-Frites-Produktion zum Stillstand. Mit der Absage von Großveranstaltungen und Restaurants auf Sparflamme brechen die wichtigsten Absatzmärkte von Pommes einfach weg. Zwei Milliarden Kilo Kartoffeln finden so keine Abnehmer mehr. Kartoffelbauern und Pommes-Frites-Fabriken stehen vor dem Ruin und damit eine gesamte Branche.“ arte Sendungsbeschreibung.

Die Reportage ist auf arte bis zum 02.12.2020 online abrufbar. Einfach auf das arte Logo oder hier klicken.

Die zunehmende Spezialisierung im Agrarbereich funktioniert nur so lange, wie keine Störungen im System auftreten. Corona ist eine massive Störung und ein Kartoffelbauer musste tonnenweise seine Kartoffeln als Viehfutter entsorgen, da seine Pommeskartoffeln aus dem letzten Jahr entweder keinen Abnehmer fanden oder nach der langen Lagerung nicht mehr den Qualitätsansprüchen der Industrie entsprachen. Pommeskartoffeln sind besonders große Kartoffeln, die einen hohen Stärkeanteil besitzen und sich wirklich als Salzkartoffeln für normale Verbraucher eigenen.
Nicht genug der Probleme, die neue Ernte wächst und die andauernden Coronabeschränkungen lassen die Absatzzahlen bei Pommes aufgrund der fehlenden Großveranstaltunegn weiterhin im Keller bleiben.

Alles hängt mit allem Zusammen.

Was kosten Lebensmittel wirklich?

Der Discounter Penny startet in seinem Nachhaltigkeits-Erlebnismarkt in Berlin Spandau ein Experiment und zeichnet 8 Waren zweifach aus. Normalpreis und „Wahre Kosten“.

Es tut sich was. Nicht nur Bioprodukte kommen langsam in der Breiten Masse an, also im Diskounter, auch die Umwelt- und Folgekosten unserer Lebenmittelerzeugung spielen immer mehr eine Rolle.
Penny testet in seinem umgebauten Markt in Berlin Spandau wie die Kunden auf die sog. True Costs reagieren, wenn diese mit angezeigt werden. Die wahren Kosten fallen beispielsweise durch belastetes Trinkwasser an und werden erst im Nachgang durch die Allgemeinheit bzw. den Kunden gezahlt.

„Die aktuellen Verkaufspreise für Lebensmittel spiegeln die Kosten der Umweltfolgen nicht oder nur unzureichend wider. Die Schadkosten fallen aber dennoch an, nur versteckt.“

Dr. Tobias Gaugler Universität Augsburg

Die Universität Augsburg hat eine Studie für Penny durchgeführt und die versteckten Kosten bei der konventionellen, sowie der ökologischen Erzeugung für 8 Lebensmittel berechnet. Nicht wirklich messbare Kosten wie vermehrte Antibiotikaresistenzen durch unsachgemäßen Antibiotikaeinsatz in der Tiermast sind hierbei noch nicht einmal berücksichtigt.
Ich bin gespannt, wie die als sehr preissensibel geltenden deutschen wahren Kosten (Penny-)Kunden reagieren, wenn sie sehen, was der wahre Preis der Lebensmittel sein könnte. Die Bio Frischmilch wird für 1,09€ verkauft, die versteckten Kosten liegen bei 75 Cent. Neuer ehrlicher Preis wäre also 1,84€. Ist schon ein Unterschied, der bei Fleisch nochmal höher ausfällt. Bei Bioprodukten liegen die versteckten Kosten in der Regel etwas niedriger als bei konventionell erzeugten Lebensmitteln.
Biohackfleisch gemischt, normaler Verkaufspreis 2,25€ für 250g. Wahre Kosten + 2,84€ macht einen ehrlichen Preis von 5,09€!
Eine gute Idee, die natürlich auch etwas Imagewerbung beinhaltet, aber es tut sich was.

Links zum Thema

Den Artikel findest du hier auf heise.de
Die wahren Kosten der Lebensmittel sind auch Thema im Podcast der Funkkolleg Reihe Ernährung Folge 20 Alles Bio?
Wer es genauer wissen will: „How much is the dish?“ – Was kosten uns Lebensmittel wirklich? Studie der Universität Augsburg im Auftrag der Tollwood GmbH und Schweißfurth Stiftung. Hier geht es zur Studie (39 Seiten).

Denkste?! Cola vs. Apfelsaft

Nützliches und unnützes Wissen zum Thema Ernährung

Was hat mehr Zucker?
Apfelsaft, 100% Saft ohne Zuckerzusatz oder eine Coke mit allem drum und dran?
Für die Lösung einfach mit dem Mauszeiger über das Bild fahren.

100% Apfelsaft

46 kalc. / 100 ml

100% Cola

42 kacl. / 100 ml

Beim Klick auf das Bild landest du auf der Seite von der die Kalorienangaben stammen. Der Link ist als Quelle zu verstehen und keine Werbung für ein verlinktes Produkt 😉

Was war dein erster Impuls? Welches Bild wirkt gesünder?
Bei Cola denke ich an kalte Erfrischung, das Prickeln auf der Zunge und ja Zuckerbombe. Bei Apfelsaft schmecke ich die Süße, den leicht säuerlichen Nachgeschmack und den leckeren Geschmack nach Apfel, ein Naturprodukt eben …… .

Apfelsaft mit 100% Fruchtgehalt ohne Zuckerzusatz hat ca. 46 Kalorien pro 100 ml SaftCola nur 42 Kalorien in 100 ml Getränk. Beide Getränke haben also ordentlich Energie in sich. Kalorien hören sich für mich relativ abstrakt an, daher habe ich die Zuckermenge eines großen Glases Apfelsaft mit 250 ml Inhalt umgerechnet. Es sind 27,5 g fruchteigener Zucker, was ca. 9 Stück Würfelzucker entspricht.
Überrascht? Ich schon.

Apfelsaft mit Gesmmatzuckergehalt von 9 Würfeln
250 ml Apfslaft = 9 Würfel Zucker

Trotzdem ist Apfelsaft besser als Cola – oder?!

Cola wird oft als Zuckerwasser gebrannt markt. Fakt ist erst mal Apfelsaft hat mehr Kalorien. Wenn du jetzt denkst, ja aber im Apfelsaft ist ja wenigstens Fruchtzucker, der ist besser – sprich gesünder als der Industriezucker liegst du wieder falsch. So pauschal lässt sich das nicht sagen. In den letzten Jahren mehren sich die Hinweise, dass Fruchtzucker (auch Fructose genannt) wenn er in größeren Mengen konsumiert wird zu einer Fettleber führen kann, da er ohne Insulin vom Körper aufgenommen wird und in der Leber zu Glucose und bei Zufuhr in großen Mengn zu Fett verstoffwechst wirdr. Ein Apfel stellt allerdings kein Problem dar.
Der Ernährungsmediziner Stefan Bischoff sieht die Sache mit dem Fruchtzucker aufgrund der steigenden Mengen kritisch.

Was jetzt? Apfelsaft ist jetzt auch schlecht? Na Dankeschön!

Apfelsaft ist nicht schlecht. Es gibt nur wenige schlechte oder schädliche Lebensmittel. Es geht vielmehr um die Menge der Kalorien und die Art der Aufnahme. Ein Glas Apfelsaft ist schnell getrunken und wenn du durstig bist auch bald ein Zweites. Gehaltvolle Flüssigkeiten treiben deinen Energiebilanz schnell nach oben – egal ob Cola oder Apfelsaft. Du wirst nicht satt und nimmst ohne es zu merken schnell mal 9 Stück Zucker zu dir.

Apfel mit Menge des enthaltenen (Frucht-) Zuckers
Ein Apfel enthält bei 150 gr Gesamtgewicht ca. 7 Zuckerwürfel fruchteigenen Zucker

Ein Apfel von 150 gr enthält je nach Sorte ca. 21 gr Zucker, sprich 7 Stück Würfelzucker. Auf 250 ml / gr umgerechnet kommt der große Apfel auf 35 gr Zucker. Der hat allerdings den Vorteil, dass er Satt macht, der Körper merkt, dass Nahrung aufgenommen wird. Was ist leichter -2 Gläser Apfelsaft trinken oder zwei große Äpfel essen? Merkste was?!
Außerdem hat ein frischer Apfel mehr Vitamine & Ballaststoffe.
Apfelsaft würde ich aufgrund der Cola-Zutatenliste gespickt mit Phosporsäure, Farbstoff, Aromen etc. einer Cola vorziehen. Aber aufgrund der (verstecketen) flüssigen Energie eben nur in Maßen oder als Schorle, die löscht besser den Durst und hat gleich erheblich weniger Kalorien. Also entweder ein kleines Glas pur genießen oder eine frische Schorle im Verhältnis 50:50.

Wie immer. Die Dosis macht das Gift (Paracelsus).